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E-world Insights: Warum das B2B-Marketing in der Energiewirtschaft oft im Tagesgeschäft feststeckt – und wie wir das ändern

E-world Insights: Warum das B2B-Marketing in der Energiewirtschaft oft im Tagesgeschäft feststeckt – und wie wir das ändern

February 19, 2026

Wer in diesen Tagen über die E-world geht, sieht eine Branche im rasanten Wandel: Gigantische technologische Visionen, von Künstlicher Intelligenz im Smart Grid bis hin zu innovativen Wasserstoff-Konzepten, prägen die Hallen. Doch wer an den Ständen mit den Verantwortlichen aus Marketing und Vertrieb spricht, hört oft eine andere, sehr pragmatische Realität: Die innovativsten Energielösungen verkaufen sich nicht von selbst.

Viele Marketeer in Stadtwerken, bei Technologieanbietern oder Projektentwicklern stehen vor einem Paradoxon: Die digitalen Kanäle sind da, aber die Zielgruppen werden oft nur "im Groben" erreicht. Interne Reibungsverluste und stagnierende Budgets erschweren den Nachweis des echten ROI. Das liegt selten am Team, sondern an historisch gewachsenen Strukturen einer Branche, die sich extrem schnell digitalisieren muss.

Ein Blick auf vier zentrale "Roadblocks" im Energie-Marketing – und wie wir sie strategisch aus dem Weg räumen können.

1. Das operative Hamsterrad der Energiewende Kaum eine Branche ist so volatil und regulatorisch getrieben wie die Energiewirtschaft. Gesetzesänderungen, Preisschwankungen oder neue Förderrichtlinien zwingen das Marketing oft in eine rein reaktive Rolle. Das "Daily Business" frisst die Ressourcen auf. Für den Aufbau einer langfristigen strategischen Markenpositionierung im komplexen B2B-Umfeld bleibt schlichtweg keine Zeit.

2. Die Ironie der Daten-Silos Während die Branche nach außen das nahtlose, intelligente "Smart Grid" propagiert, sieht die interne Datenarchitektur oft anders aus. Historisch gewachsene Abrechnungssysteme (Billing/ERP), das CRM für den Vertrieb und moderne Marketing-Automation-Tools bilden isolierte Inseln. Diese Fragmentierung macht eine ganzheitliche Sicht auf den B2B-Kunden nahezu unmöglich und blockiert datengetriebene Kampagnen.

3. Die Vanity-Metrics-Falle bei komplexen Energielösungen Unter Rechtfertigungsdruck flüchten sich Fachabteilungen oft in Metriken wie den reinen "Cost per Lead" (CPL). Doch 500 billige Leads für komplexe Power Purchase Agreements (PPAs) nützen nichts, wenn die anfragenden Industrieunternehmen gar nicht das nötige Lastprofil aufweisen oder nicht die erforderliche Bonität für langfristige Stromlieferverträge mitbringen. Die unerbittliche Jagd nach bloßen Kontaktformularen flutet die Pipeline mit unqualifizierten Leads, erzeugt Frust im Vertrieb und verbrennt wertvolles Budget.

4. Der Grabenkrieg: Technischer Vertrieb vs. Marketing Gerade bei erklärungsbedürftigen Energieprodukten prallen Welten aufeinander. Der technische Vertrieb sieht sich als "Macher" an der Front und das Marketing oftmals nur als "Broschüren-Produzent". Wenn beide Abteilungen an völlig unterschiedlichen Kennzahlen gemessen werden, entstehen Brüche in der Customer Journey, die der gut informierte B2B-Einkäufer sofort spürt.

Die Lösung: Digitales Customer Based Marketing

Um diese strukturellen Nadelöhre zu weiten, braucht es keinen blinden Aktionismus in Form neuer Tools. Das C-Level braucht vor allem eines: die absolute Sicherheit, dass sich die Investition lohnt. Genau das leistet ein richtig strukturiertes und intelligent verbundenes digitales Customer Based Marketing. Wenn wir Daten, Prozesse und Abteilungen konsequent auf den Kunden ausrichten, entstehen völlig neue Hebel:

  • Smarketing etablieren (Mehr Trust intern): Marketing und Vertrieb müssen verschmelzen und an denselben Zielen (Shared KPIs wie Sales-Qualified Rate oder Time-to-Contract) gemessen werden. Wenn das Marketing verlässlich hochqualifizierte Leads liefert und der Vertrieb diese durch klare Service-Level-Agreements nachfasst, endet der Grabenkrieg. Das Resultat: Ein massiver Aufbau von internem Vertrauen (Trust) in die Leistungsfähigkeit des Marketings.
  • Shift von Lead- zu Demand-Generation (Mehr Relevanz): Industrieunternehmen kaufen keine komplexen Energielösungen, nur weil sie ein Whitepaper heruntergeladen haben. Budgets müssen in die Demand Generation fließen: Den Markt aufklären, Unsicherheiten nehmen und durch echte Case Studies tiefes Vertrauen aufbauen. So erzeugt das Marketing vorab maximale Relevanz bei den Entscheidern.
  • End-to-End Tracking (Mehr Budget durch C-Level-Sicherheit): Datensilos müssen gewaltsam aufgebrochen werden (Single Source of Truth). Wenn ein B2B-Deal nach Monaten offline beim Vertrieb abschließt, muss diese Conversion zwingend ins Marketing-System zurückgespielt werden. Nur so lässt sich der ROI von Kampagnen lückenlos beweisen – und nur wer den ROI beweist, bekommt von der Geschäftsführung das Budget, das er braucht.

Der messbare Business-ImpactEin integriertes Marketing ist keine "Schönwetter-Veranstaltung", sondern ein harter Werttreiber für das gesamte Energieunternehmen. Wenn Strukturen richtig verbunden werden, drehen sich die entscheidenden betriebswirtschaftlichen Stellschrauben:

  • Weniger FTE-Aufwand: Weg von endloser, manueller Datenpflege in Excel-Tabellen.
  • Kürzere Sales Cycles: Weil der Kunde durch die Vorarbeit des Marketings (Demand Gen) bereits aufgeklärt und kaufbereit in das erste Vertriebsgespräch geht.
  • Geringere CAC (Customer Acquisition Cost): Weil Marketing-Budgets dank sauberem End-to-End-Tracking nur noch in die Kanäle fließen, die wirklich profitable Verträge bringen.
  • Mehr ROI & besserer EBITDA: Effizientere Prozesse und höhere Abschlussquoten schlagen direkt positiv auf das operative Ergebnis durch.

Fazit: Die E-world zeigt, was technologisch möglich ist. Damit diese Innovationen skalieren, muss das Marketing mitziehen. Wer auf integriertes Customer Based Marketing setzt, steigert am Ende nicht nur die Effizienz seiner Teams, sondern ganz konkret den Wert des gesamten Unternehmens.

Autor

Jens Skorwider